{"id":303,"date":"2014-06-30T14:48:44","date_gmt":"2014-06-30T12:48:44","guid":{"rendered":"http:\/\/consultrix.de\/?p=303"},"modified":"2014-09-03T09:39:49","modified_gmt":"2014-09-03T07:39:49","slug":"erwachsene-lernen-anders-und-wie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/consultrix.de\/?p=303","title":{"rendered":"Erwachsene lernen anders\u2026 Und wie?!"},"content":{"rendered":"<p><em>Wesensz\u00fcge des Lernens als Erwachsene. Unterschiede insbesondere zu Lernprozessen im Kindesalter. Erwachsenenlernen als selbstbestimmt, lebensnah, intensiv und systematisch.<br \/>\n<\/em><!--more--><\/p>\n<p>In der Kindheit ist Schule und Lernen normal, Alltag &#8211; wenn auch nicht immer einfach, angenehm und erfolgreich. Als Erwachsene haben wir r\u00fcckblickend oft den Eindruck, dass es mit den Jahren immer schwerer f\u00e4llt, uns neues Wissen, F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten anzueignen.<br \/>\nAber weder unsere Neugierde, noch unsere Lernf\u00e4higkeit, noch die pers\u00f6nliche Erfolgsquote lassen mit zunehmendem Alter zwangsl\u00e4ufig nach. In fast jeder Lebenssituation oder Stufe unserer Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung k\u00f6nnen wir dazulernen und tun es auch. Nur als Erwachsene eben anders, denn als Kinder.<\/p>\n<p>Auch wenn die Lernforschung in den letzten Jahrzehnten etwas mehr in die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit gelangt ist, konzentriert sie sich im Wesentlichen immer wieder auf die Analyse und die F\u00f6rderung von Lernprozessen bei Kindern, Jugendlichen oder (h\u00f6chstens) jungen Erwachsenen in Ausbildung und Studium.<br \/>\nDer hier verwendete Ausdruck \u201eErwachsene\u201c bezieht sich auf Reifestufen der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, wenn der jeweilige Mensch Verantwortung \u00fcbernimmt und verantwortlich handelt. Zumindest f\u00fcr sich selbst, seine Lebensgestaltung und seine eigene Zukunft bzw. die seiner Familie oder gr\u00f6\u00dferer sozialer Gruppen, des Umfeldes, humaner oder globaler Themen u. \u00e4. Diese Reifestufen der Pers\u00f6nlichkeit vollziehen sich bei den meisten Menschen in mehreren Phasen und sind oftmals verbunden mit einschneidenden Ver\u00e4nderungen ihres unmittelbaren Lebensumfeldes (Job, Familie, Partnerschaft, Gesundheit etc.). Die jeweilige Anfangs-Altersgrenze ist individuell unterschiedlich und damit sekund\u00e4r.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus meiner inzwischen etliche Jahre umfassenden eigenen Lern- und auch Lehrerfahrung kristallisieren sich vier wesentliche Merkmale des Lernens im Erwachsenenalter heraus: Selbstbestimmtheit, Lebensn\u00e4he, Intensit\u00e4t und Systematik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erwachsene lernen selbstbestimmt. <\/strong>Oft ist es der Wechsel \u00e4u\u00dferer Umst\u00e4nde (Ausbildungsende, eigene Wohnung, erste Partnerschaften), die die \u00dcbernahme von Verantwortung und die Entstehung eines bewussten, zunehmend vollst\u00e4ndigen Selbstkonzeptes begleiten. Diese Selbstkonzept entwickeln Erwachsene in relativ jungen Lebensjahren autonom, selbstgesteuert und auch in der Realisierung selbstverantwortlich.<br \/>\nMit der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung einher geht eine Schwerpunktverlagerung in der Lernmotivation von \u00e4u\u00dferen Anst\u00f6\u00dfen hin zu inneren Motivationsfaktoren und Interessensgebieten. Mit dem Ende der Ausbildung sind Lernprozesse auch nicht mehr Lebensmittelpunkt. Dieser verschiebt sich eher in Richtung beruflicher Leistungsprozesse. Damit konkurriert die Lernbereitschaft mit den jetzt t\u00e4glichen Notwendigkeiten und Anforderungen des Berufslebens.<br \/>\nGleichzeitig er\u00f6ffnet sich f\u00fcr den Erwachsenen die M\u00f6glichkeit, sein Wissensbed\u00fcrfnis fokussieren zu k\u00f6nnen auf die individuellen Interessensgebiete bzw. Anforderungen der neuen Lebenssituation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erwachsene lernen lebensnah.<\/strong> Das gesamte Umfeld, Verpflichtungen, Anforderungen, Beziehungen und eigene Interessen dienen als Anregung, als Experimentierfeld und gleichzeitig als Ziel neuer Lernprozesse im Erwachsenenalter. Egal, ob begrenzte oder umfangreiche Bed\u00fcrfnisse nach neuem Wissen, Fertigkeiten oder F\u00e4higkeiten &#8211; stets sollten sie anwendbar sein. Oft wird die Praxisverbundenheit der Erwachsenenbildung als explizit problemzentriert, kontextuell oder aufgabenorientiert gesehen.<br \/>\nLebensn\u00e4he des Lernens im Erwachsenenalter hei\u00dft dar\u00fcber hinaus: Erfolgsorientierung. Jede formelle Ma\u00dfnahme, jeder Kurs, aber auch jede informelle Recherche, jedes Ausprobieren etc. soll ein bestimmtes, ja, das gew\u00fcnschte Ergebnis bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erwachsene lernen intensiv.<\/strong> In der Schule, Ausbildung und\/oder Studium werden in unterschiedlichsten Fachgebieten Wissen, Fertigkeiten und F\u00e4higkeiten vor allem extensiv, quantitativ und qualitativ wachsend, aufgebaut. Das Lernen im Erwachsenenalter erfolgt demgegen\u00fcber eher intensiv, zum einen, weil die Ressourcen &#8222;Zeit&#8220; und &#8222;Aufmerksamkeit&#8220; f\u00fcr das Lernen wesentlich eingeschr\u00e4nkter zu Verf\u00fcgung stehen, zum anderen, weil durch die Aufhebung der Lernpflicht freier und selbstbestimmter zwischen Fachgebieten gew\u00e4hlt und priorisiert werden kann.<br \/>\nIntensit\u00e4t im Erwachsenenlernen ist erkennbar vor allem an der engen Verkn\u00fcpfung zum Vorwissen und den Vorerfahrungen. Wenn ein thematischer Rahmen und Grundbegriffe bereits bekannt sind, f\u00e4llt es wesentlich leichter, weiterf\u00fchrende Erkenntnisse zu erarbeiten, umzusetzen oder anzuwenden.<br \/>\nDie effektive Nutzung aller vorhandenen Ressourcen im Lernprozess durch hohe Aktivit\u00e4t, Konzentriertheit und Effizienz sind ebenfalls Aspekte der Intensit\u00e4t, oder sogar Intensivierung von Lernprozessen durch Erwachsene.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erwachsene lernen systematisch.<\/strong> Der Systembezug des Erwachsenenlernens gilt nach meiner Ansicht in dreifacher Hinsicht. Zum ersten sind Lernprozesse im Erwachsenenalter vor allem dann Erfolg versprechend, wenn sie durch den Lernenden als sinnvoll anerkannt werden. Ein (philosophischer) Sinn des Lernens wird sowohl hinterfragt wie auch zur Orientierung verwendet, in sp\u00e4teren Lebensalter sogar tendenziell wachsend.<br \/>\nZum zweiten geh\u00f6rt zum systematischen Aspekt des Lernens im Erwachsenenalter, dass neue Erkenntnisse und F\u00e4higkeiten in ein ganzheitliches, strukturiertes System aller Kompetenzen der jeweiligen Pers\u00f6nlichkeit eingeordnet werden k\u00f6nnen. Diese Einordnung wird als verst\u00e4ndlich, logisch und einfach erwartet, so dass eine gewisse Leichtigkeit im Denken und Handeln des Menschen erreicht werden kann.<br \/>\nZum dritten beinhaltet systematisches Lernen Innovation bzw. bringt sie gleichzeitig hervor. Dies geschieht dann am deutlichsten, wenn die Pers\u00f6nlichkeit in allen Lebensaltern offen ist f\u00fcr Neues, sich flexibel neue Inhalte aneignet und diese gezielt produktiv anwendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das lebenslange Lernen im Erwachsenenalter unterscheidet sich von dem fr\u00fcherer Lebensphasen nicht durch eine grobe Einteilung in \u201eRessourcen-Nutzung\u201c versus \u201ePotenzial-Entfaltung&#8220; bzw. &#8222;Leistungs-Umsetzung&#8220;, wie es in bildungspolitischen Diskussionen oft anklingt. Die wesentlichen Besonderheiten des Erwachsenenlernens basieren sowohl auf Entwicklungsprozessen der Pers\u00f6nlichkeit selbst, ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, ihrem Beziehungsgef\u00fcge und ihrer Rolle in der gesamten sozialen Realit\u00e4t. Die jeweilige Auspr\u00e4gung von Selbstbestimmtheit, Lebensn\u00e4he, Intensit\u00e4t und Systematik des Erwachsenenlernens sind dar\u00fcber hinaus abh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t der Lehrprozesse. Welchen Charakter und welche Spezifika diese Lehrprozesse f\u00fcr Erwachsene, gerade in sp\u00e4teren Lebensjahren, ben\u00f6tigen, f\u00f6rdern oder auch verneinen, soll an anderer Stelle ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wesensz\u00fcge des Lernens als Erwachsene. Unterschiede insbesondere zu Lernprozessen im Kindesalter. 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